Hand- und Plastische Chirurgie

Erkrankungen, degenerative Veränderungen und Folgen von Verletzungen im Bereich der Oberen Extremität und speziell an der Hand, sollten von einem Spezialisten behandelt werden. Die komplexen Strukturen der Hand (Nerven, Sehnen, Gefäße, Gelenke, etc.) verlangen ein entsprechendes Fachwissen und operatives Können. Ebenso wichtig ist im gesamten Fachgebiet der plastischen Chirurgie die Kenntnis der funktionellen Zusammenhänge und das Durchführen einer fachgerechten Nachbetreuung und Nachbehandlung ggf. unter Einbeziehung von Physio- und Ergotherapeuthen.

Nerveneinengungen (z. B. Karpaltunnel, Ellenbogen)
Dupuytrensche Kontraktur
Ganglien (Überbeine)
Sehnenfacheinengungen (z.B. Schnellender Finger und Daumen)
Tumore und Entzündungen der Hand
Verletzungen von Sehnen und Bändern an Fingern und Handgelenk (Skidaumen)
Knochenbrüche der Finger, Mittelhand und Kahnbein, etc.
posttraumatischen Belastungsstörungen
Verletzungen von Nerven und Blutgefäßen
Rheumatische Erkrankungen
Folgen von Verletzungen (z.B. fehlverheilte Knochenbrüche und Bänderrisse)
Gelenkeinsteifung der Finger und des Handgelenkes
Nerveneinengungen (z. B. Karpaltunnel, Ellenbogen)
Angeborene Erkrankungen (z.B. Doppeldaumen, überzählige Zehen, Klinodyktylie)

Sie haben Probleme an der Hand?

In der Sprechstunde werden Sie von Ihrem Handchirurgen untersucht und beraten, weitere Abklärungen besprochen und eingeleitet. Sollte ein operativer Eingriff vorgesehen sein, so wird Sie Ihr Arzt entsprechend ausführlich aufklären und entsprechende Fragen beantworten. Bei ambulanten Operationen können Sie den Termin unmittelbar nach der Besprechung mit dem Arzt vereinbaren.

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Dr. med. Göran Wild erklärt die wichtigsten Begriffe der Handchirurgie.

Das große Handchirurgie-Lexikon

Dupuytren-Kontraktur

Die Dupuytrensche Kontraktur ist eine gutartige Erkrankung des Bindegewebes, vornehmlich in der Hohlhand. Durch Knoten- und Strangbildung in der Hohlhand mit übergreifen auf die Finger kann es zu einer Krümmung einzelner oder mehrerer Finger kommem. Eindeutige Ursachen sind nicht bekannt. Die Bereitschaft, die Erkrankung zu bekommen, kann vererbt werden. Ein Zusammenhang mit Lebererkrankungen, Zuckerkrankheit und Alkoholismus wird diskutiert. Die Erkrankung tritt überwiegend bei Männern auf. Die operative Behandlung braucht die überlegte Planung eines erfahrenen Operateurs um schwerwiegende Komplikationen und ein Wiederauftreten (Rezidiv) zu vermeiden.

Erste Zeichen können Einziehungen der Haut sowie derbe Knoten in der Hohlhand oder auch an den Fingern sein. Später sind überwiegend längs verlaufende dicke Stränge bis in die Finger zu sehen. Einmal vorhandene Knoten und Stränge mit Fingereinkrümmung bilden sich nicht zurück.

Die Dupuytrensche Erkrankung ist nicht ausheilbar und neigt sehr häufig dazu wieder auftreten (sog. Rezidiv). Operationen sind bei raschem Fortschreiten mit Beeinträchtigung der Funktion der Hand angezeigt. Diese Behandlung sollte in den Händen eines erfahrenen Handchirurgen liegen. Der Eingriff sollte mit Vergrößerungstechnik (Lupenbrille) vorgenommen werden, um Blutgefäße und Nerven sicher zu schonen. Je nach Ausprägung ist eine Nachbehandlung mit intensiver Krankengymnastik nach einer Operation notwendig um eine gute Handfunktion wieder herzustellen.

Ganglion („Überbein“)

Ganglien sind die häufigste gutartige Geschwulstbildung im Handbereich. Die häufigste Lokalisation ist am Handrücken über dem Handgelenk. Sie sind meist prall-elastisch und mit einer klaren, gelartigen Flüssigkeit gefüllt. Es findet sich meist ein Stiel zu einem Gelenk oder einer Sehnenscheide, von der sie ausgehen.

Die Schmerzen entstehen durch Reizung eines Nerven. Manchmal bleiben Ganglien in der Gelenkkapsel versteckt so dass sie von außen nicht sichtbar sind, aber trotzdem Beschwerden machen. Ganglien führen neben der sichtbaren Vorwölbung, die unter Umständen ästhetisch stört, vor allem zu Schmerzen, die meist unter Belastung zunehmen. Bei der häufigsten Lokalisation des Ganglions über der Streckseite des Handgelenks kommt es vor allem zu Schmerzen beim Aufstützen.
Im Wesentlichen gibt es drei Möglichkeiten:

  1. Keine Behandlung: Ein Ganglion ist eine harmlose Veränderung und sofern sie ästhetisch nicht stört oder Schmerzen auslöst, muss es nicht operiert werden. Manchmal kommt es auch zu einer spontanen Rückbildung.
  2. Das Absaugen der Flüssigkeit mit einer Spritze: Bei dieser Behandlungsmethode kommt es in ca. 50% zu einer erneuten Füllung des Ganglions. Risiko dabei ist die Infektion, die bei Übergreifen auf das Gelenk schwere Folgeschäden nach sich ziehen kann
  3. Die Operation. Das Ganglion wird komplett mit seinem Stiel zum Gelenk entfernt und die Gelenkkapsel an der Basis des Stiels gefenstert.

Ganglien können in der Regel durch eine einfache Operation entfernt werden können. Ganglien können in bis zu 20% der Fälle wiederkommen. Um die Rezidivgefahr jedoch so gering wie möglich zu halten, sollte die Operation von einem in der Handchirurgie erfahrenen Arzt operiert werden.

Karpaltunnelsyndrom

Die Beschwerden äußern sich als ein Kribbeln und ein Taubheitsgefühl meist im Daumen bis zum Mittelfinger. Sehr häufig treten diese Beschwerden nachts und am frühen Morgen. Die Hand ist wie „eingeschlafen“, durch Ausschütteln der Hand wird es oft besser. Die Schmerzen können bis in den Unterarm oder sogar die Schulter ausstrahlen. Später sind die Finger ständig taub. Feine Tätigkeiten wie beim Nähen oder z.B. auch beim Hemd zuknöpfen werden fast unmöglich. Häufig werden kleine Gegenstände fallen gelassen.

Das Karpaltunnelsyndrom (KTS) wird durch eine Einengung des Mittelnerven der Hand bewirkt. Die Einengung durch einen steigenden Druck im Karpalkanal verursacht. Verschiedene Ursachen können zum Karpaltunnelsyndrom führen: Entzündliche Schwellung der Beugesehnenscheiden, Wassereinlagerung, Brüche mit Verschiebungen oder fehlverheilten Brüchen im Handgelenkbereich, Zuckerkrankheit und andere Stoffwechselstörungen, Schwangerschaft, Rheuma, Tumore, angeborene Veränderungen.

Zur kompletten Diagnostik gehört unbedingt eine neurologische Untersuchung. Zusätzlich kann eine Röntgenuntersuchung des Handgelenks in bestimmten Fällen sinnvoll sein.

Wenn eine konservative Therapie nicht zum Erfolg führt, die Beschwerden des Patienten zu stark sind und bereits ein ausgeprägtes Karpaltunnelsyndrom besteht, sollte eine Operation durchgeführt werden. Es gibt prinzipiell mehrere Operationsmethoden, die offene, die biportale und die endoskopische Karpaldachspaltung. Jede Methode hat Vor- und Nachteile. Bei der offenen OP-Methode wird ein langer Schnitt von der Hand durch den Handballen bis zum Handgelenk geführt.

Bei der biportalen Technik, die wir verwenden, werden zwei kleine Schnitte im Bereich des Handgelenks und im Bereich der Hohlhand angelegt und die Haut der Hauptbelastungszone, des Handballens wird geschont.
Die dritte Methode ist die endoskopische Methode, bei der ebenfalls zwei Schnitte angelegt werden, wird über eine eingeführte Optik das quer verlaufende Handwurzelband von innen dargestellt und mit einem kleinen Messer gespalten. Die offene Methode ist immer sinnvoll, wenn eine ausgeprägte Vermehrung des Sehnengleitgewebes vorliegt. Der große Vorteil dieser Methode ist der gute Überblick mit geringer Gefahr den Nerv zu verletzen. Der Nachteil hier ist die empfindlich Narbe am Handballen.

Die Vorteile des endoskopischen Verfahrens sind kleinere Narben sowie eine angenommene kürzere Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Wesentlicher Nachteil des endoskopischen Verfahrens ist die eingeschränkte Übersicht mit einer großen Gefahr den Nerv zu verletzen.

Die von uns verwendete biportale Methode vereinigt die Vorteile der beiden anderen Verfahren mit guter Übersicht und kleinen Narben, die den empfindlichen Handballen aussparen.

Normalerweise bilden sich die vorher bestehenden Beschwerden schon unmittelbar nach der OP zurück. Bei stärker geschädigtem Nerv kann jedoch die Regeneration wesentlich längere Zeit in Anspruch nehmen. Die Narbenbeschwerden verschwinden normalerweise in den ersten 6 – 8 Wochen.

Skidaumen (ulnarer Seitenbandriss)

Als Skidaumen wird das zerreisen des ellenseitigen Seitenbandes am Daumengrundgelenk bezeichnet. Hierbei unterscheidet man zwischen dem Riss des Bandes und dem knöchernen Bandausriss. Der Skidaumen gehört zu den häufigsten Bandverletzungen an der Hand. Die Verletzung entsteht zumeist durch ein gewaltsames Abspreizen des Daumens, wie dies typischerweise durch einen Sturz auf den ausgestreckten Daumen mit Skistock passiert.

Typische Zeichen für einen Skidaumen sind deutliche Schwellung und ein Bluterguss im Bereich des Daumengrundgelenkes sowie Schmerzen auf der Ellenseite des Daumengrundgelenkes. Diese lassen sich durch Abspreizung des Daumens stärker werden. Ein fester Spitzgriff kaum möglich, denn der Daumen weicht zur Seite ab. Auch das Umgreifen größerer Gegenstände bereitet Schwierigkeiten, da der Daumen nach aussen abgleitet. Bei der passiven Prüfung zeigt sich eine deutlich verstärkte Aufklappbarkeit im Vergleich zur Gegenseite. Unbehandelt führt die diese Verletzung häufig zur Instabilität im Daumengrundgelenk und damit zu bleibendem Kraftverlust und Arthrose.

Ist es zu einem kompletten Riss des Bandes gekommen, ist eine Operation empfehlenswert. Ist das Band in der Mitte gerissen, so wird es wieder vernäht. Ist das Band mit einem kleinen Knochenstück oder direkt am Knochen ausgerissen, so kann dieses – abhängig von der Grösse des Bruchstückes – mit einem Draht, einer kleinen Schraube oder einem speziellen Knochenanker wieder am Knochen befestigt. werden. Der Daumen muss nach dieser Operation für 4-5 Wochen ruhiggestellt werden. Nach längerer Ruhigstellung des Daumengrundgelenks kann die Beweglichkeit eingeschränkt sein. Dann wird häufig eine Krankengymnastik notwendig.

Sattelgelenkarthrose

Besonders Frauen ab dem mittleren Lebensalter klagen nicht selten über Schmerzen am Daumen beim festen Zugreifen. Die Probleme werden häufig als erstes beim Öffnen von Flaschen oder dem Auswringen von Putzlappen bemerkt. Dies sind die ersten Hinweise für eine Sattelgelenkarthrose (lat. Rhizarthrose). Das Gelenk an der Daumenwurzel, das wegen seiner Form Sattelgelenk genannt wird, hat eine große Bewegungsfreiheit und wird beim Greifen sehr stark belastet, daher unterliegt es einem ausgeprägten Verschleiß.

Wie bei allen Verschleißerkrankungen der Gelenke tritt am Daumensattelgelenk als erstes ein Bewegungsschmerz auf. Bei weiterem Fortschreiten der Arthrose wird jede Daumenbewegung schmerzhaft. Dies äußert sich bei nahezu allen alltäglichen Verrichtungen, besonders jedoch beim Öffnen eines Schraubverschlusses, beim festen Halten eines Gegenstandes bzw. beim Greifen kleiner Gegenstände, wenn die Daumenkuppe gegen die Fingerkuppen geführt wird. In späteren Stadien der kommt es auch zu deutlichen Schwellungszuständen der Daumenwurzel. Durch die Schmerzen läßt die Kraft des Daumens bzw. der gesamten betroffenen Hand nach. Bei Frühformen der Daumensattelgelenkarthrose können gelegentlich Salbenverbände helfen. Kortisoninjektionen in das Daumensattelgelenk helfen ebenfalls meist nur vorübergehend. Erst wenn alle Maßnahmen nicht zur Besserung  führen und selbst bei leichten alltäglichen Tätigkeiten (Umblättern einer Zeitung, Tragen eines Tellers usw.) ständig der Schmerz im Daumensattelgelenk auftritt, sollte eine Operation empfohlen werden.

Die am häufigsten verwendete Methode ist die sog. Resektionsarthroplastik. Dabei wird ein kleiner Knochen, das große Vieleckbein, der einen Teil des Daumensattelgelenkes bildet, entfernt. Damit der Daumen wieder an Stabilität gewinnt wird der 1. Mittelhandknochen (der zweite Teil des Sattelgelenkes) mit einer Sehnenschlinge gefesselt. Dies ergibt eine federnde Stabilisierung des Daumens und ermöglicht nach mehrwöchigen Bewegungsübungen wieder eine nahezu normale Daumenbewegung. Der Daumen wird nach der Operation für 5-6 Wochen ruhiggestellt, wird mit krankengymnastischer Übungsbehandlungen begonnen. Besonders wichtig zu wissen ist, daß sich an diese Operation eine lange Nachbehandlungsphase anschließt. Das Endergebnis der Operation ist nicht selten erst nach 9 Monaten erreicht.

Schnappfinger und Schnappdaumen (Tendivaginitis stenosans)

Die ersten Zeichen sind oft nur unspezifische Schmerzen und Schwellung der Fingergrundgelenke im Bereich der Handinnenfläche und des Handrückens. Manchmal besteht zusätzlich eine Morgensteifigkeit oder ein Spannungsgefühl. Erst in einem fortgeschrittenen Stadium kommt es zu dem typischen Schnappen des betroffenen Fingers mit bewegungsabhängigen Schmerzen. Meist morgens bemerkt man, dass einzelne Finger oder der Daumen nicht mehr gerade gestreckt werden können. Im Laufe des Tages gibt der Finger dann nach, wobei ein schmerzhaftes Schnappen des Fingers bemerkt wird. Am häufigsten ist der Ringfinger betroffen. Beim Untersuchen ist oft der Bereich der Beugefalte der Finger auf der Handinnenseite extrem schmerzhaft und es lässt sich ein Knoten der Sehne tasten.

Die Schmerzen entstehen, wenn ein verdickter Teil der Beugesehne durch eine Engstelle (Ringband) körperwärts gezogen wird. Der Durchtritt durch die Enge ist oft von einem schmerzhaften Schnappen begleitet, der verdickte Sehnenanteil bleibt vor der Engstelle (Ringband) liegen. Der Finger kann nun in einer Beugestellung blockiert sein und nur gegen einen stärkeren Widerstand mit einem schmerzhaften Schnappen durch das Ringband zurückgleiten. Häufig muß die andere Hand zu Hilfe genommen werden, um den betroffenen Finger wieder zu strecken.

Die Sicherung der Diagnose erfolgt durch die typische Vorgeschichte sowie die Untersuchung. Bei Druck auf das Ringband im Bereich des Fingergrundgliedes von der Handinnenfläche läßt sich der typische Schmerz auslösen. In fortgeschrittenen Fällen kann der Finger in Beuge- oder selten auch in Streckstellung blockiert bleiben und das typische Schnappen ausgelöst werden. Wenn der Finger noch nicht fest blockiert ist, kann ein konservativer Therapieversuch unternommen werden. Durch eine Ruhigstellung und Entlastung der betroffenen Finger soll die chronische Reizung gemindert werden. Zusätzlich können entzündungshemmende Medikamente in Form von Tabletten oder als Spritze an die Sehnenscheide erfolgen. Sollte die konservative Therapie nicht zum Erfolg führen erfolgt der operative Eingriff. Die Operation des schnellenden Fingers erfolgt in der Regel ambulant in örtlicher Betäubung der Hand. Um bei der Operation gute Sichtbedingungen zu gewährleisten und wichtige Strukturen wie Nerven, Blutgefäße und Sehnen zu schonen, wird die Operation in Blutleere durchgeführt.

Um Verklebungen oder Verwachsungen der Beugesehnen zu vermeiden, sollen die Finger bereits am Operationstag bewegt werden. Bei Schwierigkeiten, z.B. bei Einschränkung der Fingerbeweglichkeit, sollten zusätzlich krankengymnastische Übungsbehandlungen erfolgen. Nach zwei Wochen werden die Hautfäden entfernt. Bei schwerer körperlicher Arbeit beträgt die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ca. drei Wochen.

Tendovaginosis stenosans de Quervain

Einengung des 1. Strecksehnenfaches am Handgelenk

Die Tendovaginosis stenosans de Quervain ist eine Entzündung der Sehnenscheide auf der Daumenseite des Handgelenks, es ist ausschließlich das erste Strecksehnenfach betroffen, in dem die Sehnen des kurzen Daumenstreckmuskels und des langen Daumenabspreizmuskels verlaufen. Die Entzündung entsteht häufig durch übermäßige Beanspruchung der Sehnen bei ungewohnten Arbeitsbelastungen. Frauen sind hiervon etwa achtmal häufiger betroffen als Männer. Die Daumenseite des Handgelenks schmerzt beim Öffnen von Dosen oder Auswringen von Lappen. Die Sehnen dabei gelegentlich zusätzlich in ihrem Sehnenfach stecken bleiben. Häufig entwickelt sich auch eine schlauchförmige Schwellung auf der Speichenseite des Handgelenks direkt über den betroffenen Sehnenfächern. Die Beschwerden können sowohl plötzlich über Nacht auftreten oder sich auch allmählich entwickeln. Bei der klinischen Untersuchung ist der Bereich über den Strecksehnenfächern druckempfindlich.

Besonders typisch sind Schmerzen beim sogenannten Finkelstein-Test. Hierbei wird der Daumen des Patienten in die Handfläche des Patienten hinein gebeugt und eine ruckhafte Bewegung des Handgelenks in Richtung Elle durchgeführt. Während diese Bewegung bei Gesunden kaum Beschwerden hervorruft, ist sie für die betroffenen Patienten in der Regel extrem schmerzhaft. Eine Therapie der Erkrankung sollte zunächst mit Hilfe nichtoperativer Maßnahmen erfolgen.

Eine Ruhigstellung des Daumens für einige Tage kann versucht werden. Dies kann durch Anlage einer Schiene erfolgen. Diese Maßnahme kann gegebenenfalls mit der Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten kombiniert werden. Eine weitere Option ist das Einspritzen von Kortison direkt in das Strecksehnenfach. Erst wenn diese Möglichkeiten ausgeschöpft sind und nach etwa 4 Wochen keine Besserung der Beschwerden eintritt, sollte eine chirurgische Therapie in Betracht gezogen werden. Die Operation erfolgt in der Regel ambulant unter Verwendung einer örtlichen Betäubung. Nach der Operation werden Handgelenk und Daumen mit einem dicken Verband gestützt. Die Finger müssen jedoch sofort nach der Operation normal bewegt werden, um ein Verkleben der Sehnen in ihren Sehnenscheiden zu verhindern. Die Operationswunde sollte durch den Arzt kontrolliert werden. Die Hautfäden können am 14. Tag nach der Operation entfernt werden.

Kahnbeinbruch (Skaphoidfraktur)

Der Bruch des Kahnbeins wird typischerweise beobachtet beim Sturz auf die ausgestreckte Hand. Zu erwähnende Unfallmechanismen sind Stürze beim Inline-Skaten, Snowboarden oder beim Mountainbiken. Betroffen sind meist Männer im Alter zwischen 20 – 40 Jahren.

Das Kahnbein gehört zu den Handwurzelknochen, es befindet sich zwischen der Speiche und dem Daumenstrahl. Wegen seiner besonderen Lage und Form wirken bei einem Sturz auf die Hand ungewöhnlich hohe Kräfte auf das Kahnbein. Deshalb bricht das Kahnbein im Vergleich zu anderen Handwurzelknochen deutlich häufiger. Der Bruch macht sich durch Schmerzen am Handgelenk an der Speichenseite, durch eine Handgelenkschwellung und einen Belastungs- bzw. Stauchungsschmerz bemerkbar. Die Symptome können allerdings schwach ausgeprägt sein, sodass häufig kein Arztbesuch erfolgt und der Kahnbeinbruch nicht diagnostiziert wird. Die Gefahr besteht darin, dass der unerkannte Bruch nicht ausheilt und sich ein sogenanntes Falschgelenk (Pseudarthrose) ausbilden kann. Die Diagnose eines Kahnbeinbruches ist schwierig und erfordert eine sorgfältige klinische Untersuchung und korrekte Röntgenaufnahmen. Allerdings kann durch Röntgenaufnahmen nicht immer sicher ein Kahnbeinbruch dargestellt werden. Wegen der Lage des Kahnbeins und Form kommt das Kahnbein in den konventionellen Röntgenaufnahmen nur unvollständig zur Darstellung. Unverschobene Brüche können dabei schnell übersehen werden. Besteht nach einer Röntgenuntersuchung noch immer der Verdacht auf einen Kahnbeinbruch, sollte ein spezieller Unterarmgipsverband mit Einschluss des Handgelenkes und des Daumenstahls angelegt werden.

Zur weiteren Diagnostik sollte dann frühzeitig eine Computertomographie (CT) des Kahnbeins in dessen Längsachse von einem erfahrenen Radiologen durchgeführt werden. Die Frage ob ein Kahnbeinbruch operiert werden muß oder ob eine Ruhigstellung reicht ist nicht ohne weiteres zu beantworten. Entscheidend ist die Einteilung der Kahnbeinbrüche in stabile und nicht stabile Brüche. Stabile Kahnbeinbrüche ohne Verschiebungen der Bruchstücke bzw. ohne Trümmerzonen. können in einem speziellen Unterarmgipsverband mit ruhiggestellt werden. Die Gipsbehandlung dauert in der Regel, wegen der schlechten Knochenheilung, ca. 12 Wochen. Um eine Behandlung im Gipsverband zu rechtfertigen, sollte immer zum Ausschluß von Verschiebungen der Bruchstücke bzw. Trümmerzonen ein Computertomogramm angefertigt werden. Wünscht der Patient eine kürzere Behandlungsdauer, kann der stabile Kahnbeinbruch operiert werden.

Durch minimalinvasive Technik wird der Bruch mit einer kanülierten Titanschraube stabilisiert. Eine Gipsruhigstellung ist dann in der Regel nicht mehr nötig. Das Handgelenk sollte bei diesem Verfahren bis zu 6 Wochen geschont werden. Eine Entfernung der Schraube ist nur in Ausnahmefällen nötig. Instabile Brüche, das sind verschobene Kahnbeinbrüche, Brüche mit Trümmerzonen und Brüche im körpernahen Drittel des Kahnbeins sollten wegen der großen Gefahr einer ausbleibenden Knochenheilung (Kahnbeinpseudarthrose) operiert werden Auch hier kann mit der minimal invasiven Technik gearbeitet werden. Allerdings gibt es auch Fälle, bei denen eine offene Operation nötig wird. Brüche im körperfernen Drittel und im mittleren Drittel des Kahnbeins werden durch einen Operationszugang von hohlhandseitig, Brüche im körpernahen Drittel von handrückenseitig operiert. Die Knochenstabilisierung erfolgt ebenfalls mit einer Titanschraube, die vollständig versenkt werden kann. In seltenen Fällen muß Knochenmaterial z.B. aus der Speiche in den Bruchspalt eingebracht werde. Eine Gipsruhigstellung ist für ca. 2-6 Wochen zu empfehlen. Die Entfernung der Schraube ist nur in Ausnahmefällen nötig. Neben regelmäßigen Kontrollen der Wund- und Hautverhältnisse sind zur Überwachung der Bruchheilung Röntgenkontrollen anzufertigen.

Kahnbeinpseudarthrose (Skaphoidpseudarthrose)

Wie bereits erwähnt ist das Erkennen von Kahnbeinfrakturen sehr schwierig. Viele in der Handchirurgie Unerfahrene übersehen diese Frakturen. Kommt es nach einer Kahnbeinfraktur nicht zur Knochenheilung, entsteht eine sog. Falschgelenkbildung (Pseudarthrose). Durch den fortbestehenden Bruchspalt entsteht eine instabile Situation an der Handwurzel, die zur Zerstörung des Gelenkknorpels (Arthrose) führen kann. Zur Vermeidung dieser Spätschäden sollte daher eine Kahnbeinpseudarthrose grundsätzlich operiert werden. Beschwerden sind meist auf der dem Daumen zugewandten Handgelenksseite.

Im weiteren Verlauf können Bewegungseinschränkung und Kraftminderung auftreten. Zur genauen Beurteilung der Bruchstücke und Planung der Operation sollte eine Computertomographie in Längsachse des Kahnbeins durchgeführt werden. Ziel der Operation ist es, eine Wiederherstellung der Form des Kahnbeins zu erreichen. Dabei muss ein kleiner Knochenanteil dazwischen gesetzt werden, bevorzugt ein Knochenblock von der Beckenschaufel. Für die Fixierung des Knochens wird wiederum eine kanülierte Titanschraube verwendet. Der operative Zugang ist abhängig von der Lage des Falschgelenkes.

Im mittleren Drittel wird ein beugeseitiger Zugang gewählt, während bei sehr kleinen Bruchstücken im körpernahen Drittel ein Zugang von der Rückseite des Handgelenkes gewählt und die Schraube direkt unter Sicht in das Kahnbein eingebracht wird. Die Ruhigstellung erfolgt in einem Unterarmgipsverband zunächst für sechs Wochen, danach wird die erste Röntgenkontrolle vorgenommen. Zeigt sich eine knöcherne Heilung, wird mit Bewegungsübungen für das Handgelenk begonnen. Ansonsten wird die Ruhigstellung um 2-4 Wochen verlängert. In der Regel findet sich nach 6-12 Wochen eine knöcherne Durchbauung im Röntgenbild.

Mondbeinnekrose

Lunatumnekrose, Lunatummalazie, Kienböck Erkrankung

Das Mondbein (Lunatum) bildet zusammen mit dem Kahnbein die Gelenkverbindung der Handwurzel mit der Speiche. Bei der Lunatumnekrose handelt es sich um eine Durchblutungsstörung des Knochens, die zu einem Zerfall des Mondbeines führen kann. Andere Bezeichnungen für die Erkrankung sind Die Lunatumnekrose tritt am häufigsten im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auf. Männer sind doppelt so häufig wie Frauen betroffen.

Die Lunatumnekrose wird in vier Stadien eingeteilt. Die Art der Behandlung richtet sich nach dem Ausmaß der Erkrankung. Zumeist wird ein Auftreten von Handgelenksbeschwerden ohne ein Unfallereignis geschildert. Bei der Untersuchung findet sich ein Druckschmerz im Bereich des Mondbeines am Handgelenk rückseitig sowie häufig eine mäßige Schwellung. Bei längerem Bestehen der Erkrankung findet sich eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung für die Handgelenksstreckung und Beugung.

Basis jeder Diagnostik ist eine konventionelle Röntgenaufnahme des Handgelenkes. Bei unauffälligem Röntgenbefund oder Verdacht auf ein frühes Krankheitsstadium ist eine Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich. Diese Untersuchung muss mit Kontrastmittel durchgeführt werden, da ansonsten eine Abgrenzung zu anderen Erkrankungen schwer möglich ist.

Die Behandlung richtet sich nach der Stadieneinteilung. Im Stadium I ist ein Behandlungsversuch durch Gipsruhigstellung für 4 Wochen gerechtfertigt. Regelmäßige klinische Kontrollen sowie eine MRT Kontrolle sind erforderlich. Bei fortbestehenden Schmerzen sowie im Stadium II und IIIa kann eine Verkürzung der Speiche zur Korrektur der Überlänge durch. Dadurch verändern sich die Druckverhältnisse und das Mondbein wird entlastet. Dies kann zu einer Rückbildung oder Stabilisierung der Erkrankung führen. Im Stadium IIIb kommt es durch die Höhenminderung des Mondbeines zu einem karpalen Kollaps. Dabei geht das Kahnbein zunehmend in Beugestellung. Ziel der Operation im Stadium IIIb ist eine Stabilisierung der Handwurzel durch Aufrichten des Kahnbeines sowie die Schmerzreduzierung. Dies gelingt gut mit einer Fusion von Kahnbein mit kleinem und großem Vieleckbein (Trapezium und Trapezoideum, STT-Arthrodese). Der Eingriff führt zu einer Reduzierung der Schmerzsymptomatik und Verbesserung der Kraft bei nur geringer Einschränkung der Beweglichkeit. Die erforderliche Gipsruhigstellung beträgt 6 Wochen. Die zur Stabilisierung benutzten Drähte können meist belassen werden. Alternativ besteht die Möglichkeit zur Entfernung der körpernahen Handwurzelreihe. Dabei werden Kahnbein, Mondbein und Dreieckbein entfernt. Welches Verfahren angewendet wird, hängt vom Einzelfall ab. Im Stadium IV ist es durch den fortgeschrittenen karpalen Kollaps zu einer Arthrose gekommen. Eine vorübergehende Schmerzlinderung kann durch eine Durchtrennung der schmerzleitenden Nerven am Handgelenk (Denervation) erzielt werden. Eine sichere Schmerzreduktion wird durch eine Versteifung des Handgelenkes erreicht. Bei der Handgelenksarthrodese wird das Handgelenk durch eine vorgeformte Platte in funktionell günstiger Stellung versteift. Fingerbeweglichkeit und Unterarmumwendung bleiben unbehindert. Durch diesen Eingriff kann häufig auch bei großer Beanspruchung wieder eine gute Belastbarkeit erzielt werden. Die Platte wird in der Regel dauerhaft belassen.

Motorische Ersatzoperationen

Motorische Ersatzoperationen dienen der Wiederherstellung einer ausgefallenen Muskelfunktion durch Sehnen- oder Muskelverlagerung eines anderen Muskels. Auf diese Art kann der neue “Motor” die verlorene Bewegung ersetzen. Neben der Zerstörung von Muskeln und Sehnen als direkte oder indirekte Unfallfolge, ist die Lähmung durch eine Verletzung eines einzelnen Nerven oder auch des Armnervengeflechts die Hauptursache für den umschriebenen Funktionsausfall. Motorische Ersatzoperationen kommen in Betracht, wenn ein Eingriff am betroffenen Nerven ohne Aussicht auf Erfolg ist, erfolglos war oder die betroffene Muskulatur untergegangen ist. Eine vollständige Wiederherstellung der verlorenen Handfunktion ist nicht möglich, es handelt sich um eine Ersatzoperation. Die Operationen ermöglichen eine Verbesserung der Greiffähigkeiten der Hand mit einem für den Einzelnen erheblichen Funktionsgewinn.

Ein häufiges Beispiel ist der Riß der langen Daumenstrecksehne nach Speichenbrüchen mit und ohne Operation. Das letzte Glied des Daumens kann, manchmal erst Wochen nach dem Unfall oder der Operation, plötzlich nicht mehr gestreckt werden. Man kann dann die zusätzliche Zeigefingerstrecksehne auf den Daumen umlenken um die Funktion wieder herzustellen. Andere Beispiele sind die Opponensplastik zur Wiederherstellung der Fähigkeit der Gegenüberstellung des Daumens zu den anderen Fingern und damit der Greiffunktion des Daumens bei Ausfall der Daumenballenmuskulatur oder die Radialisersatzoperation bei Ausfall des Speichennerven mit Verlust der Handgelenks- und Fingerstreckung können einzelne Muskeln von der Beugeseite auf die Streckseite des Unterarmes verlagert werden, um diese Funktionen zu übernehmen. Es ist eine intensive und lang andauernde krankengymnastische und ergotherapeutische Nachbehandlung notwendig mit zuverlässiger Mitarbeit des Patienten. Bis zur Übungsstabilität der Sehnennähte (etwa 4 Wochen) ist eine Ruhigstellung im Gipsverband notwendig, die anschließende krankengymnastische und ergotherapeutische Übungsbehandlung dient der Erarbeitung der neuen Bewegungsmuster und der Koordination, die auch im Gehirn umgelernt werden müssen. Ein Nachbehandlungszeitraum von gut einem halben Jahr ist einzuplanen.

Sulcus-ulnaris-Syndrom

Der Ellennerv vermittelt das Gefühl für die Ellenseite des vierten Fingers und den gesamten fünften Finger sowie für den ellenseitigen Handballen und Handrücken. Von der ungestörten Funktion des Nerven sind die Beugung der Finger in den Grundgelenken und die Streckung der Finger in den Mittel- und Endgelenken, sowie das An- und Abspreizen der Finger und das Heranführen des Daumens an die Hand abhängig.

Beim Sulcus-ulnaris-Syndrom wird der Ulnarisnerv in seinem Verlauf am inneren Rand des Ellenbogens gedrückt. Gelegentlich liegt die Einengung in seinem bogenförmigen Verlauf in einer Knochenrinne (sog. Sulcus ulnaris) um den inneren Oberarmhöcker herum. Diese Stelle wird im Volksmund als „Musikantenknochen“ oder „Mäuschen“ bezeichnet. Der durch das Stoßen dieser Region ausgelöste und in den Unterarm ausstrahlende Schmerz entsteht durch die Prellung des Nerven. Die Frühsymptome sind Kribbeln und Taubheit des IV. und V. Fingers und des ellenseitigen Handrückens. Bei länger bestehender Einengung kommt es zu einer Schwäche der An- und Abspreizung der Finger, der Heranführung des Daumens an die Hand mit Schwäche des Spitzgriffes sowie einer Schwäche beim Faustschluß mit dem IV. und V. Finger. Es können auch Schmerzen an der Innenseite des Ellenbogengelenkes bestehen, die in Richtung Hand und Schulter ausstrahlen. Wenn die klinische Untersuchung den Verdacht auf ein Sulcus-ulnaris-Syndrom ergibt, ist eine Untersuchung beim Facharzt für Neurologie erforderlich. Dieser führt eine elektrophysiologische Untersuchung durch, bei der die Leitgeschwindigkeit des Nerven im Vergleich mit der Gegenseite gemessen wird. Anhand der Messwerte und der nachgewiesenen Verlangsamung der Nervenleitgeschwindigkeit kann die Notwendigkeit zur Operation eingeschätzt werden. Eine konservative Therapie kann in frühen Fällen eine Linderung bewirken. Hierbei sollte eine starke Beugung des Ellenbogengelenkes vermieden werden.

Besonders nachts kann das Ellbogengelenk durch eine Schiene in Streckstellung gehalten werden. Die Operation erfolgt wahlweise in Teil- oder in Vollnarkose. Bei der Operation wird an der Innenseite des Ellenbogengelenkes ein Schnitt angelegt. Der Nerv wird auf Einschnürungen untersucht und gegebenenfalls daraus befreit. Wenn der Nerv beim Bewegen des Ellbogengelenkes keine Tendenz hat, aus seiner Rinne herauszugleiten, kann er in seiner natürlichen Lage belassen werden. Anderenfalls muss er in die Ellenbeuge verlagert werden. Nach Verschluß der Wunde und Anlage eines Verbandes wird eine Oberarmgipsschale angelegt. Diese verbleibt für insgesamt zwei Wochen. Die Erholung des Nerven kann bei leichten Druckschädigungen rasch erfolgen, innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen. Sie kann bei ausgeprägten Schädigungen bis zu einem Jahr dauern und letztlich unvollständig bleiben.

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